Geburtserlebnisse aufarbeiten

Wenn es nicht so lief wie gewünscht. – Die Geburt annehmen.

Am Anfang ist da dieses kleine neue Wesen, welchem die ganze Aufmerksamkeit gilt. Und dann, ganz langsam sickert es durch, dieses Gefühl, versagt zu haben. Nicht die Geburt gehabt zu haben, die man sich vorgestellt hat. Sei es plötzlich einen Kaiserschnitt gehabt zu haben. Doch die PDA gewollt zu haben. Nicht entspannt und easy durch jede Wehe geglitten zu sein. Laut gewesen zu sein. Andere Menschen angeschrien zu haben. Oder einfach nur allen Empfehlungen folge geleistet zu haben. Vielleicht einen Dammschnitt bekommen zu haben. Kristellert worden zu sein. Ungewollt am Muttermund untersucht worden zu sein. Sich nicht bewegt zu haben, weil man nicht mehr konnte, oder weil es einem gesagt wurde oder weil man am CTG hing. In die Wanne zu gehen, obwohl man nicht wollte. Wieder aus der Wanne raus zu müssen, weil man sollte. Das Kind nicht in die eigenen, sondern in fremde Hände geboren, zu haben. Nicht in der Posotion geboren zu haben, in der man wollte. Am Ende einfach so schwach gewesen zu sein, dass alles egal war.

Und dann kommen da diese Gedanken. Das Was-Wäre-Wenn-Karussell beginnt sich zu drehen. Es dreht sich, die Gedanken kreisen im Kreis. Wenn ich mich besser vorbereitet hätte. Wenn ich da nein oder da ja gesagt hätte. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte. Wenn ich auf mein Gefühl gehört hatte. Wenn ich in ein anderes Krankenhaus gegangen wäre. Wenn ich mit der Einleitung gewartet hätte. Wenn, wenn, wenn. Das Gedanken-Karussell. Es dreht sich und führt doch zu keinem anderen Ergebnis. Die Geburt bleibt die selbe. Das Erlebte bleibt bestehen.

Doch mit der Zeit kann sich der Blickwinkel ändern. Mit ein wenig Abstand und genauem Hinschauen, kann der Ablauf der Dinge rekonstruiert werden. Die Gefühle noch einmal Gefühl werden, ihnen Platz geschaffen werden, denn die Gefühle wollen gefühlt werden! Vielleicht ist da Wut. Wut es nicht geschafft zu haben. Wut, dass es so gekommen ist. Wut auf sich selber. Wut auf die begleitenden Personen.

Vielleicht ist da Trauer. Trauer, dass es so war wie es war. Trauer, dass es nicht anders gelaufen ist. Trauer, darüber, dass die benötigte Unterstützung gefehlt hat. Trauer darüber, dass es manchmal zuviel des Guten war. Trauer darüber, dass die Traumgeburt nicht Realität geworden ist und Trauer darüber es nicht ändern zu können.

Irgendwann kommt die Zeit und da gibt es einen Lichtblick. Die Hoffung. Es kann gesehen werden, warum die Dinge verliefen wie sie liefen. Es kann daraus gelernt werden. Das bewusst werden der eigenen Bedürfnisse unter der Geburt, welche erfüllt oder auch nicht erfüllt wurden. Den Ort zu hinterfragen und einen neuen oder den gleichen zu wählen. Die Begleitpersonen zu überprüfen und gegebenfalls austauschen. So dass da Hoffnung ist auf eine neue Traumgeburt. Eine Traumgeburt mit all dem Wissen aus der vorherigen Geburt, sodass die Auswahl des Ortes und der Begleiter und die Vorbereitung darauf bewusst stattfinden, um diese Realität werden zu lassen.

Im großen und Ganzen geht es um Akzptanz. Um Akzeptanz von dem was war, von dem was ist. Um das Annehmen des Geschehenen. Ums Umarmen der Gefühle in Bezug auf das Geschehene. Egal wie diese Aussehen. Und dann kommt das Loslassen. Loslassen von dem Geschehenen und den Erwartungen. Einfach Sein auf dem Weg der Heilung. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist voranzuschreiten, das ganze hinter sich zu lassen und sich erneut auf das Spiel einzulassen. Diesmal wieder mit ganz viel Glauben. Glaube an dich Selbst, Glaube an deine Intuition, Glaube an deinen Körper, Glaube an den richtigen Ort, Glaube an die richtigen Begleiter und dem Glaube, dass dieses mal der gewählte Ort, deine gewählten Begleiter und die Umstände deine Traumgeburt wahr werden lassen. Du, die Meisterin deiner Geburt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.