Bedürfnisse, Mama von 2 Kindern, MamaSein

Und plötzlich sind da ZWEI.

Es fing ja schon in der Schwangerschaft an sich abzuzeichnen. Das sich etwas ändern wird. Ich konnte und wollte Kind 1 weniger tragen. Gestillt wurde auch weniger, da meine Mamillen sehr empfindlich waren. Meine Geduldsspanne gegenüber Kind 1 ließ gegen Ende der Schwangerschaft leider auch ordentlich nach. Unter der Geburt von Kind 2 war ich kaum noch fähig mit Kind 1 zu kommunizieren, da mich die Wehen so in Anspruch nahmen.

Und dann, dann war Kind 2 da. Einfach da. Ein Kind was ich erst kennenlernen muss. Dessen Wesen, Eigenarten, Vorlieben, Bedürfnisse ich erst beobachten, erfassen und entdecken darf. Und gleichzeitig ist da auch mein geliebtes Kind 1. Welches ich schon so gut lesen kann. Zu dem ich eine innige Bindung aufegebaut habe. Das ich kenne. Bei dem ich meist richtig liege, was seine Bedürfnisse, Vorlieben und Eigenarten betrifft.

Und plötzlich realisiere ich: Wow, da sind wirklich ZWEI. Und nun? Wie mache ich das? Wie werde ich diesen zwei Wesen gerecht. Wie werde ich diesen zwei Wesen, mir selbst, meinem Partner und unserem Hund gerecht? Wie soll das funktionieren?

Die ersten Tage waren geprägt vom Aufbrechen alter Muster, Umstrukturierungen unserer Familienkonstellation, eine Neuordnung des Gefüges. Das war nicht immer leicht und oft auch mit Tränen verbunden.

Das Zubettgehen beispielsweise. Wir schlafen alle zusammen in unserem Familienbett. Auf 3,20 m. Vor der Geburt legten Kind 1 und ich uns gegen 20 Uhr zusammen hin und kuschelten uns ein. Ich stillte Kind 1 und sie schlief ziemlich zügig ein. Kurz darauf dockte sie sich von alleine ab und ich konnte auch schlafen oder noch ein paar Dinge erledigen. Gegen Mitternacht gab es dann noch einen Toilettengang mit Kind 1 und eine Wasser-Trinkrunde. Also eine sehr eingespielte Routine, die wir da jeden Abend ziemlich vorhersehbar ablaufen ließen.

Nun war Kind 2 da. Also überlegte ich mir einen Plan. Wie können wir den abendlichen Ablauf gestalten, sodass Kind 1 immernoch seine „normale“ Einschlafroutine beibehalten kann. Der Plan war Kind 2 zu stillen, dann an den Papa abzugeben und anschließend mit Kind 1 die normale Routine zu leben. Nur das nach dem Abdocken wieder Kind 2 dran war.

Ab und an klappte das ganz gut. Doch in einer der ersten Nächte (ich weiss nicht mehr welche, da mein Zeitgefühl da ein ziemlicher Mischmasch ist) übernahm der Papa nun Kind zwei. Ich kuschelte mich mit Kind 1 ein und wir fingen an zu stillen. Kind 2 allerdings war gar nicht zufrieden und ziemlich meckrig. Ich hörte Kind 2 meckern und merkte schnell: es ist unzufrieden und hat wahrscheinlich noch Hunger. Kind 1 guckt mich mit großen Augen beim Stillen an. So als würde sie auf eine Reaktion meinerseits warten. Ich streichele ihr übers Haar. Und versuche Ruhe auszustrahlen und sie in den Schlaf zu begleiten. Kurze Zeit später kommt mein Partner mit Kind 2 wieder. Er sagt Kind 1 hat Hunger und möchte, dass ich es stille und Kind 1 abdocke. Puh, ich will Kind 1 aber nicht abdocken, weil ich sie nicht zurückweisen will, sondern ihr doch das Gefühl geben möchte, dass ihr Platz hier bei uns noch da ist. Somit war ich ganz unschlüssig und sagte meinem Partner, dass ich Kind 1 weiter stillen will. Mein Partner wird daraufhin ganz schön wütend und teilt mir in seiner Wut mit: Kind 1 solle doch langsam mal abgestillt werden, dann hätten wir das ganze Drama jetzt nicht. Kind 2 habe vorrang. Doch ich hatte immer nur einen Blogartikel im Kopf, in dem es um die Enttrohnung des Erstgeborenen ging, und wollte sicherstellen das es Kind 1 gut ging. Ich konnte mich nicht dazu durchringen Kind 1 abzudocken. Ich wollte ihr ungeteilte Mamaaufmerksamkeit geben, von der es gerade so wenig gab.

Kind 2 schrie langsam immer heftiger. Ich war so zwiegespalten und echt verzweifelt. Mein Partner übernahm schließlich die Verantwortung und sagte Kind 1 es solle abdocken. Dies tat Kind 1 auch, fing jedoch im selben Moment an zu schluchzen und zu sagen, sie wolle weiter trinken, was dann ins weinen überging. Mein Partner legte mir Kind 2 vor die Brust und schnappte sich Kind 1 und stürmte aus dem Raum raus. Ich konnte nur noch heulen und starrte Kind 2 an. Wer war dieses Wesen? Ich weinte weiter und dockte Kind 2 an, welches sich sofort beruhigte und auch kurze Zeit später einschlief. Kind 1 schlief auf dem Arm von meinem Partner ein, welcher sie später zu uns ins Bett legte.

Nachdem ich von einem Toilettengang zurück zum Bett ging und Kind 1 und 2 dort liegen sah, starrte ich sie an und konnte mich nicht entscheiden zu wem ich mich legen sollte. Kind 1 oder Kind 2? Wer könnte noch Nähe gebrauchen? Kind 1, welches so tieftraurig darüber war nicht mehr die gewohnte Aufmerksamkeit von uns Eltern, Kuscheleinheiten und Zeit mit uns zu bekommen. Oder Kind 2, welches doch gerade erst hier angekommen war, dem ich Körperkontakt und Nähe geben möchte, damit es weiss, dass es hier nicht alleine ist. Ich konnte mich nicht entscheiden. Wieder war ich zwiegespalten, zerrissen und sah einfach keinen Weg wie ich jemals beiden gerecht werden könnte. Wie sollte das gehen?

Nachdem ich dort eine Weile gesessen hatte und die zwei unter Tränen angestarrt hatte, beschloss ich zu meinem Partner zu gehen. Ich erzählte ihm über die Zerrissenheit und Ohnmacht, die ich fühlte. Er sah mich an und umarmte mich einfach. Wir gingen zusammen zu den beiden und legten uns in die Mitte. Ich weinte noch eine Weile. Ließ alles fließen mit meinem Partner im Rücken der einfach da war. Mir Aufmerksamkeit schenkte, mich hielt und mir Halt gab. Das tat so unheimlich gut!

Und so lagen wir dort alle nebeneinandr aufgereiht. Neu geordnet. Etwas durch den Wind. Und doch hatten wir es irgendwie gemeistert. Wir alle. Jeder für sich. Hier in unserer Familie. Neu anzukommen. Das Gefüge zu verändern, sodass unser alle Bedürfnisse gehört und berücksichtigt werden. Wir Kompromisse finden, die sich für uns gut anfühlen. Und manchmal ist es auch nur ein Nehmen. Kein Geben. Sich selbst Auftanken. Sich Gutes tun. Denn nur wenn ich mich selbst gut nähre, kann ich andere Nähren.

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