Geburtsbericht, VBAC

Mit meiner Narbe – Geburtsbericht meiner HBAC

Ich berichte hier über meine zweite Geburt. Eine Hausgeburt im Pool nach Kaiserschnitt. Ich habe während der Geburt kein Zeitgefühl gehabt und auch nie auf die Uhr geschaut, daher gebe ich hier einfach nur die Geburt wieder wie ich sie erlebt und in Erinnerung behalten habe.

Am Dienstag waren wir noch einmal als ganze Familie zusammen schwimmen. Ich machte meine Wasserübungen und genoß die Zeit zu dritt. Am Abend hatte ich noch einen Osteopathietermin. Ich erzählte der Osteopathin von der letzten Vorsorgeuntersuchung. Das Mima nicht richtig im Becken sei, sondern sich noch über bzw. auf meiner Symphyse befindet. Des Weiteren äußerte ich den Gedanken, dass dies vielleicht an meinem leichten Hohlkreuz liegen könnte. Die Behandlung begann. Es war sehr entspannend und saft. Ich fühle mich in guten Händen und konnte die Behandlung richtig genießen. Am Ende der Behandlung fühlte ich mich zum ersten mal in meinem Leben richtig gerade. Als ob mein Hohlkreuz weg wäre. Es fühlte sich richtig gut an.

Am Mittwoch Abend hatte ich leichte Übungswehen die wieder verschwanden und so schlief ich irgendwann ein. Gegen Mitternacht wachte ich wieder auf. Ein leichtes Ziehen im Unterleib. Ich wollte nicht mehr liegen bleiben und stand auf. Die große Tochter schlief tief und fest. Ich lief durch die Wohnung und es regte sich ein leiser Verdacht, dass es tatsächlich losgehen könnte. Ich fühlte mich noch nicht bereit. Ich hatte mir doch vorgenommen jedes Zimmer vor der Geburt auszumisten und aufzuräumen und war mit diesem Vorhaben noch gar nicht fertig! Also fing ich an aufzuräumen und die restlichen Sachen für die Geburt zusammen zu suchen (damit hatte ich während des Tages schon angefangen). Ich klebte noch ein paar Bilder an die Wand neben dem Geburtspool. Zwei Blüten mit einem austretenden Babykopf in der Mitte und meine drei Worte: Liebe, Offenheit und Weite, welche zweieinhalb Monate zuvor in einem Birth Into Being – Kurs zu mir gekommen waren. Ich stellte die Tulpen die ich gekauft hatte in eine Vase und suchte das Bild heraus, welches ich von meiner Mutter für die Geburt bekommen hatte. Auf diesem sind vier Fotos abgebildet. Meine Urggroßmutter mit meiner Oma als Baby, Meine Oma mit meiner Mutter als Baby, meine Mutter mit mir als Baby und ich mit meiner ersten Tochter. Also drei Frauen die diesen Weg vor mir gegangen sind und ihn erfolgreich gemeistert haben. Dann suchte ich noch den Stein, den ich von meiner Oma bekommen hatte heraus und legte ihn ebenfalls dazu. Dazu noch die Karte, welche sie mir geschickt hatte, mit den Worten der Stein solle mir Glück bringen! Er sei sturmerprobt!

Mein Partner war noch wach und am lernen. Ich sagte ihm es könne sein, dass es los geht. Ich sei mir jedoch nicht sicher. Mit der Zeit wurde klar es ging los. Wenn mein Partner mich ansprach, um noch organisatorische Dinge zu klären, konnte ich mich nicht mehr wirklich gut darauf konzentrieren. Das sagte ich ihm auch. Er solle mich bitte nicht mehr ansprechen. Ich möchte mich jetzt auf mich konzentrieren.

Ich überlegte, ob wir schon Wasser in den Pool einlassen sollten. Ich war unsicher. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass es tatsächlich losgehen sollte. Aber der Gedanke ließ mich nicht mehr los und ich beschloss, dass es wohl doch an der Zeit war das Wasser einzulassen und bat meinen Partner dies zu tun.

Ich lief viel durch die Wohnung, musste ab und an stehen bleiben. Veratmen. Ich hatte viel Durst. Also lief ich in den Wehenpausen immer zu meiner Wasserflasche und trank etwas. Während der Wehen probierte ich verschiedenes aus. Ich kniete mich vor den Sessel, hängte mich an die Sprossen des Hochbetts oder an meinen Partner. Kreiste mein Becken. Tönte. Probierte veschieden Laute aus. Aaas, Ooos und UUUs. Wobei die Aaas und Uuus sich besser anfühlten als die OOOs. Und manchmal sang ich leise oder auch lautstark zwischen und während der Wehen.

Irgendwann musste ich aufs Klo. Dort hatte mein Partner viele Kerzen angezündet und es war richtig gemütlich dort. Dort verbrachte ich einige Zeit und mein Darm entleerte sich von allein.

Irgendwann wachte unsere Tochter auf. Sie war noch ganz verschlafen, jedoch sehr interessiert am Geschehen. Sie stellte mir viele Fragen, doch ich konnte sie ihr kaum beantworten, da ich mich so sehr auf mich selbst konzentrieren musste. Also sagte ich ihr, dass ich jetzt nicht kann. Ich rief meinen Partner kurz bevor die Wehe kam, wenn er gerade nicht im Raum war damit sie nicht alleine war und fing dann an zu tönen. Das Tönen schien ihr nicht geheuer. Sie mag es nicht sehr gerne laut haben. Aber es ging nicht anders. Im Nachhinein sagte sie mir, dass das Tönen für sie gar nicht schlimm gewesen sei.

Während einer der Wehenpausen beschloss ich selbst zu tasten, um zu schauen was dort unten vor sich ging. Ich spürte etwas stabiles ledriges, aber auch elastisches. Das musste dann wohl die Fruchtblase sein. Wow so hatte ich mir diese nicht vorgestellt. Ich hatte sie mir irgendwie viel zerbrechlicher, dünner und filigraner vorgestellt. Ich tastete ein wenig weiter und spürte etwas Hartes. Das musste dann der Kopf sein. Also war der Kopf im Becken!

Als der Pool befüllt war, stieg ich hinein. Das Wasser war sehr angenehm. Ich probierte eine für mich angenehme Position zu finden. Während der Wehen hielt ich mich an den Griffen im Pool fest, kreiste mein Becken und tönte. Das Tönen tat gut. Es half mir diese unglaubliche Kraft auszuhalten und zu lenken. Es war so schön sich ungestört ausprobieren zu können, um die richtigen Töne und Positionen zu finden. Der restliche Schleimpfropf ging ab. Irgendwann hatte ich das Gefühl es bewegte sich nichts weiter. Es ging nicht voran. Also beschloss ich wieder aus dem Pool heraus zu steigen und mich zu bewegen um die Geburt voranzutreiben. Ich kreiste mein Becken und hängte mich während der Wehen an die Sprossen der Hochbettleiter. Ich sang, tönte und redete mit meinem Baby. Es darf jetzt kommen, ich lasse es los, es solle runter kommen. Und während der Wehen erinnerte ich mich immer daran, dass mein Körper diese wunderbaren Wehen produzierte. Mein Körper produzierte genau die für mich und mein Kind richtigen Wehen. Mein Körper erschaffte Wehen mit denen ich umgehen kann, denn es ist ja mein Körper der mit ihnen umgeht. Sie dürfen einfach durch mich hindurch fließen. Ich tastete wieder und merkte das die Geburt endlich wieder voranging. Die Fruchtblase als auch der Kopf waren ein Stück weiter nach unten gekommen. Ich merkte wie langsam Druck auf den Darm einsetze. Dies war mir zuerst ziemlich unangenehm, aber ich erinnerte mich, dass dies ja normal sei und konnte es nach ein paar Wehen als ein positives Zeichen ansehen. Nämlich das die Geburt wirklich voranging. Also versuchte ich zu loszulassen und zu entspannen anstatt anzuhalten und zuzumachen.

Irgendwann beschloss ich wieder in den Pool zu steigen. Dort platze kurze Zeit später die Fruchtblase. Das Fruchtwasser war grün. Kurz kam Unsicherheit auf, doch es fühlte sich alles gut an. Ich sagte meinem Partner er solle die Hebamme anrufen, hatte dabei jedoch Angst dass sie die Geburt verlegen würde wollen. Doch sie beruhigte uns und fragte, ob sie vorbeikommen soll. Ich war mir nicht sicher, denn eigentlich wollte ich erstmal niemanden groß um mich haben. Also verneinten wir. Sie sagte daraufhin sie würde erst mal Frühstücken und könnte dann in ca. zwei Stunden bei uns sein.

Ich merkte das mein Partner sehr müde war, da er nicht geschlafen hatte und unsere Große brauchte vermehrt Aufmerksamkeit. Also schlug ich meinem Partner vor unsere gute Freundin anzurufen, die sich angeboten hatte währen der Geburt auf die Tochter aufzupassen bzw. einfach da zu sein für was auch immer wir sie brauchen würden. Ich wusste nicht wie mein Partner sich entschieden hatte, da ich wieder voll und ganz mit mir, meinem Kind und den Wehen beschäftigt war.

Wenn ich jetzt tastete konnte ich direkt den Kopf spüren. Er rutschte langsam Stück für Stück tiefer. Doch an einem Punkt stagnierte die Geburt wieder und es ging nicht weiter.  Mein Partner teilte mir mit, dass die Hebamme in einer Stunde kommen würde. Ich erahnte eine deutliche Unsicherheit seinerseits, da ich dem bisher ja nicht zugestimmt hatte. Ich überlegte, entschied jedoch nicht zu antworten und weiter in meiner Trance zu bleiben. Es würde einfach so geschehen, wie es eben geschehen würde. Ich wurde langsam müde. Ich ging nochmals aus dem Pool raus um mich nochmals mehr zu bewegen, da ich ja das Gefühl hatte es ginge wieder nicht voran. Ab und zu tropfte Fruchtwasser während der Wehen hinaus. Ich merkte, dass ich erschöpft war, war mir jedoch unsicher ob ich mich hinlegen sollte. Irgendwann konnte ich mich zu einer Entscheidung durchringen und beschloss mich hinzulegen.

Mein Partner breitete mir eine Unterlage auf dem Bett aus. Ich legte mich darauf und legte mir noch ein Stillkissen zwischen die Knie um es gemütlich zu haben, soweit dies möglich war. Ich wurde zugedeckt. Ich kuschelte mich ein und döste in den Wehenpausen vor mich hin und vertönte die Wehen, während welchen immer wieder Fruchtwasser abging, welches mein Bein hinunter auf die Unterlage ran. Es tat unheimlich gut zu liegen und sich noch einmal auszuruhen.

Nachdem ich das Gefühl hatte etwas ausgeruhter zu sein, beschloss ich wieder aufzustehen. Ich hängte mich wieder an die Leiter des Hochbetts. Kurze Zeit später klingelte es an der Tür. Unsere Hebamme war da. Sie umarmte mich und ich fühlte mich sehr wohl mit ihrer Anwesenheit. Sie sagte zu mir ich sei ja ordentlich am Arbeiten, worauf ich erwiederte, das der Kopf schon sehr weit unten sei. Ich konnte ihn ca. einen halben Finger vom Ausgang ertasten. Sie fragte ob sie tasten solle. Ich verneinte erstmal, da ich vaginale Untersuchungen als sehr schmerzhaft während meiner letzen Geburt empfand. Ich fand sie weit schlimmer als die Wehen. Unsere Hebamme verließ das Zimmer und ich konnte mich ungestört der Geburt widmen.

Während der Wehen hing ich mich wieder an die Leiter des Hochbetts, tönte und kreiste mein Becken. Die Wehen schienen sich zu verändern und ich hatte das Gefühl mein Narbe würde während der Wehen schmerzen. Dies verunsicherte mich, also rief ich nach unserer Hebamme. Sie kam und wollte wieder tasten. Also ließ ich sie. Es war mir unangenehm. Sie sagte das alles ok sei! Der Kopf sei an der Narbe vorbei. Somit sei alles gut und die Schmerzen, die ich spüren würde, würden nicht von der Narbe kommen. Dadurch konnte ich meine Angst loslassen und wieder entspannter mit den Wehen umgehen. Sie teilte mir ebenfalls mit, dass ich voll eröffnet sei und Sie der Meinung sei, dass das ganze hier schon ins Wasser gehören würde. Kurz darauf klingelte es erneut und unsere gute Freundin traf ein.

Ich ging wieder ins Wasser und alle anderen Anwesenden setzen sich ich die Küche und plauderten miteinander. Einerseits war ich froh allein zu sein, andererseits war ich durch die Unterhaltungen in der Küche teilweise abgelenkt und empfand diese doch als störend. Und manchmal dachte ich hey wieso habt ihr in der Küche eigentlich so einen Spaß und ich hock hier allein mit diesen Wehen. Nunja. Ich wehte vor mich hin, tastete irgendwann wieder und es hatte sich nach wie vor nichts getan. Ich rief unsere Hebamme und teilte ihr dies mit. Sie wollte nochmal tasten. Bääh. Ich wollte nicht, aber ich ließ sie und meckerte dabei ordentlich. Sie bestätigte mir, das der Kopf immernoch an der gleichen Stelle war und ich eine andere Position versuchen solle. Im liegen vielleicht. Das kam für mich jedoch überhaupt nicht in Frage. Total ungemütlich und nicht aushaltbar (zumindest während der Wehen). Also schlug sie mir vor mich in das Tragetuch zu hängen, welches ich über dem Pool aufgehängt hatte. Das tat ich dann auch und mit der Zeit fand ich endlich heraus wie ich die Geburt weiter voranbringen konnte. Während der Wehen hängte ich mich kniend ins das Tuch, drückte mich mit den Händen vom Poolrand weg und kreiste dabei mein Becken. Manchmal stellte ich eines meiner Beine auf oder ging in die Hocke um Mima mehr Platz zu schaffen. So ging es langsam voran und ich wurde immer weiter und weiter. Der Kopf war endlich am äußersten Rand angekommen! An irgendeinem Punkt wusste ich das Mima in drei Wehen da sei. Doch bei der dritten Wehe merkte ich, ich kann sie nicht rausschieben, das würde mich zerreißen. Also wartete ich weitere Wehen ab. Der Kopf blieb nun selbst in den Wehenpausen ein Stück weit draussen. Irgendwann kam mein Partner dazu. Und ich sagte zu ihm. Ich kann das nicht, ich hab das Gefühl ich zerreiße. Irgendwann traute ich mich dann leicht mitzuschieben und es war wirklich wirklich unangenehm. Es fühlte sich an als würde ich innerlich aufreißen. Der Kopf war draussen. Ich war davon total überwältigt. Ich tastete den Kopf und konnte die Nase und den Mund erspüren. Erst jetzt wurde mir klar: Wow das wird kein Kaiserschnitt. Und ich sagte es auch nochmal laut zu meinem Partner: Das wird kein Kaiserschnitt mehr! Der Schmerz, das Zerreißen war immer noch da. Eigentlich hatte ich erwartet das ich nach Austreten des Kopfes keinerlei Schmerzen spüren würde. Ich wartete ungeduldig auf die nächste Wehe. Es kam mir ewig vor bis sie kam. Sie kam, der Körper jedoch kam noch nicht ganz heraus. Warten auf die nächste Wehe. Auch hier kam es mir vor wie eine Ewigkeit. Als die Wehe kam versuchte ich mitzuschieben. Doch auch dieses mal wurde der Körper nicht ganz geboren. Also beschloss ich Mima einfach herauszuziehen und tat dies auch kurzerhand.

Ich presste sie an mich, ihr Kopf war total verformt und sie war voller Käseschmiere. Sie fing nicht gleich an zu atmen. Ich hatte jedoch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl sie sei in Gefahr. Die Hebamme saugte sie ab, wobei mein erster Impuls war sie selbst mit meinem Mund abzusaugen, was ich jedoch nicht tat. Anschließend gab mir unsere Hebamme Anleitung für Übungen, die ich mir ihr durchführen sollte, damit es Mima besser ging. Ich schwenkte sie durchs Wasser an meiner rechten Seite unsere Hebamme und links sitzen aufgereit meine gute Freundin, meine Tochter, unser Hund und mein Partner,welche alle zuschauen. Mein Partner war den Tränen nahe. Ich versuchte ihm zu sagen dass alles gut ist. Ich hatte ein gutes Gefühl. Nachdem Mima endlich Laute von sich gegeben hat und fitter war, war die Plazenta dran. Die Nabelschnur war mittlerweile auspulsiert. Ich kniete mich also hin und drückte ein wenig. Ich gebar die Plazenta, welche anschließend von der Hebamme begutachtet und in eine Schüssel getan wurde. Als nächstes stand der Umzug ins Bett an.

Mein Partner nahm unser Kind samt Plazenta. Meine gute Freundin half mir beim Aufstehen, gab mir ein Handtuch, halft mir bei Abtrocknen und begleitete mich zum Bett. Dort kuschelte ich mich mit Mima ein, wo sie anschließend Vermessen und Gewogen wurde. Ich wurde ebenfalls untersucht. Von außen sah alles Intakt aus. Die Hebamme ließt uns nun alleine und machte sich auf den Heimweg.

Irgendwann kamen Kind und Mann von unserer guten Freundin vorbei. Mein Partner ging nochmal einaufen und mit dem Hund raus. Während einer der Nachwehen merkte ich plötzlich das das wohl keine Nachwehe war, sonder ich mal Pipi musste. Es lief und lief und lief. Sehr unangenehm! Ich konnte es gar nicht aufhalten. Mein Gefühl fürs aufs Klo müssen war verschwunden. Die Menge erklärte ich mir auf Grund meines großes Durstes während der Geburt. Ich hatte ja so viel getrunken, musste während der ganzen Geburt jedoch kein mal Wasser lassen. Ich rief leicht beschämt meine gute Freundin. Sie half mir. Als mein Partner wiederkam nahm er die Kleine, ich ging duschen und unsere Freundin bezog unser Bett neu. Ich war noch etwas wackelig auf den Beinen doch es ging. Als der Duschvorhang zu war und ich das erst mal ganz allein war fing ich an zu weinen. Ich hatte es wirklich geschafft. Es fiel eine Menge Anspannung von mir ab. Ich konnte es noch gar nicht so richtig glauben. Nach dem Duschen kuschelte ich mich wieder ins Bett. Unsere gute Freundin und ihr Mann kochten für uns und zogen dann auch irgendwann von dannen.

Mima war noch ziemlich erschöft von der Geburt und schlief ganz viel. Ich kriegte sie kaum gestillt, da sie so viel schlief. Ich hatte Angst, dass ich Sie vielleicht zu wenig stille. Sie guckte mich kaum an. Blickkontakt hatten wir auch noch nicht wirklich miteinander hergestellt. Ich hatte Angst, dass ich den Moment verpassen würde um eine Bindung zu ihr aufzubauen. Während der ersten Nacht bekam ich erstaunlich viel Schlaf, da Mima so selten stillte und viel schlief. Das verwunderte mich, da ich dies von der Großen so nicht kannte. Ich schob es auf die Geburt. Doch ich durfte mittlerweile mal wieder feststellen: Jedes Kind ist verschieden. So anscheinend auch die Stillvorlieben.

Am nächsten morgen stillte Mima endlich mehr und hatte auch vermehrt die Augen auf. Die Hebamme kam vorbei und untersuchte sowohl Mima als auch mich. Mit Mima war alles gut. Ich war jedoch Innen gerissen. Ich wurde genäht. Mit 7 Stichen. Es war so unangenehm. Ich meckerte die ganze Zeit rum, um es aushalten zu können. Die Angst vor dem Schmerz war so groß.

Die ersten drei Tage nach der Geburt verbrachte ich im Bett, außer ich musste auf Klo. Das Sitzen, Laufen und sich bewegen war sehr unangenehm. Ich war in diesen ersten drei Tagen leicht betrübt, traurig und auch überfordert. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Jetzt hatte ich zwar endlich eine vaginale Geburt erlebt und doch saß ich hier mit Schmerzen und einer neuen Narbe. Vielleicht war der große Unterschied, dass ich entschieden hatte über den Schmerz und meine Inutition, ich würde zerreißen, hinauszugehen. Ich hatte selbst entschieden mich zu zerreißen.

Die Geburt anzunehmen dauerte ein wenig. Nach ein paar Tagen konnte ich sie endlich akzeptieren und mich endlich über die geglückte vaginale Geburt und auch mein Kind freuen. Was ich aus dieser Geburt mitgenommen habe ist, dass ich mich vollkommen auf meinen Körper und seine Signale verlassen kann. Alles was ich tun musste war ihm zuzuhören und ihm zu folgen. Des Weiteren durfte ich feststellen, auch eine vaginale Geburt macht nicht unbedingt glücklich. Auch sie kann mit Schmerzen danach verbunden sein. Die rosarote Brille in Bezug auf die vaginale Geburt wurde mir also abgenommen und dennoch glaube ich irgendwie an sie! Diese schmerzfreie, wundervolle ekstatische Geburt ohne Interventionen und Verletzungen! Die gibt es! Bestimmt! Irgendwo da draussen! <3

 

 

 

4 thoughts on “Mit meiner Narbe – Geburtsbericht meiner HBAC

  1. Wow, Anna, das ist ein wunderbarer Geburtsbericht geworden!
    So authentisch, auch mit all dem, was du dir anders vorgestellt hattest. Ich kann regelrecht diese Kraft der Natur und des Gebärens mitfühlen, irgendwie einfach größer als wir!

  2. Liebe Anna,
    Bin ganz berührt von Deinem Bericht. Hab beim Lesen mit Dir mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Keine „ideale“ Geburtsstory, bei der alle gleich neidisch werden, dafür echtes Leben. Daß Du das so teilst, ist ein großes Geschenk!

    Danke!

    Stefan (Birth into Being)

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