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Lange Pause, Urlaub und ein Beben.

Hier ist es nun einige Zeit still gewesen. Am Anfang war da ganz viel Energie, die in dieses Projekt fließen wollte und dies auch tat. Ich war mir nicht sicher in wie weit ich all die verschiedenen Themen die mich beschäftigen umsetzten sollte, da ich sie getrennt betrachtete. Meine Doulatätigkeit, Mamamorphose, das Thema Kaiserschnitt, die Beziehung zum Kind und unser Familienleben. Ich wollte für jedes dieser Themen eine eigene Homepage, einen eigenen Ort erschaffen. Nach längerem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass eine Trennung dieser Themen eigentlich keinen Sinn macht, da sie sich doch teilweise überschneiden und diese Themen alle ein Teil von mir sind. Somit wird es hier in Zukunft auch mehr Persönliches geben, es soll hier nun auch um unser Familienleben gehen, um die Beziehung zum Kind, um meinen Kaiserschnitt und das danach, um Schwangerschaft und um Geburt.

Für uns war schon seit längerer Zeit klar, dass wir gerne noch ein weiteres Kind in unserer Familie begrüßen würden. Es gab Zeiten, da ließen wir es drauf ankommen und dann gab es wieder welche in denen für mich klar war jetzt gerade, da kann ich mir es einfach nicht vorstellen oder mein Partner konnte es nicht. Ich hatte einen Traum, in welchem ich ein DezemberBaby bekommen würde. Bei Kind 1 hatte ich ebenfalls einen Traum, bei welchem ich in der 12. Schwangerschaftwoche war, wenn unser Hund zu uns stoßen würde, noch ehe ich überhaupt schwanger war. Und es passierte tatsächlich so. Also rechnete ich für das DezemberBaby einen Schwangerschaftsbeginn für den März diesen Jahres aus und fixierte mich auf diesen Monat. Doch als der März kam, passte es nicht, ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen ein Kind zu empfangen. Am Vorabend meines Eisprunges lag ich Abends im Bett und eine Energie wanderte in meinen Körper, in meinen Bauch. Dieses Gefühl ist schwer in Worte zu fassen. Aber es war als wenn unser Kind schon zu uns gekommen wäre. Ich freute mich über sein Dasein. Ich sagte ihm jedoch, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht soweit war und dass es doch bitte bleiben möge, wenn es dies möchte und uns Zeit geben solle. Zwei Monate verstrichen bis wir soweit waren. Nach 3 Zyklen war der Test endlich positiv. Die ersten Wochen verliefen problemlos. Doch ab der 7. Schwangerschaftswoche schlich sich die Übelkeit ein. Sie blieb den ganzen Tag und war sehr kräftezehrend. Ich war froh, wenn ich es schaffte mich um Kind 1 zu kümmern und uns mit Essen zu versorgen. Alle Energie ging nach Innen zu diesem neuen kleinen Wesen, welches nun in meinem Bauch entstand. Dies war auch der Grund für die lange Pause hier.

Mitte Oktober ging es dann in den Urlaub, die ersten Wochen waren noch von der Übelkeit gepragt, aber so langsam wurde sie weniger und verschwand. Wir besuchten ein Freundin in Australien und erkundeten Neuseeland mit dem Wohnmobil. Unser letztes Ziel in Neuseeland war Kaikoura. Ich wollte gerne mit Delphinen schwimmen. Wir hatten eine Tour ganz früh am Morgen gebucht. Doch es sollte anders kommen. Denn in der Nacht fing unser Wohnmobil an sich ruckartig zu bewegen. Es fühlte sich an als würden wir rückwarts einen Berg hinunterrollen. J. (Partner) wurde von einer Seite des oberen Bettes zur anderen geworfen. Ich kniete auf allen vieren und versuchte die Balance zu halten während Kind 1 seelenruhig weiter schlief. Ich machte den Vorhang zum Fahrersitz auf, um nach der Handbremse zu schauen, ob wir sie auch wirklich angezogen hatten. Ich gucke durch die Frontscheibe nach draußen. Alles sah still aus. Das Auto schien sich nicht vom Fleck zu bewegen und trotzdem wackelte es ruckartig hin und her. Es dauerte eine Weile bis ich begriff was gerade passierte. Ein Erdbeben. Ich hatte ein ungutes Gefühl im Bauch, mein Herz schlug schnell, ich konnte meinen Herzschlag im ganzen Bauch spüren und hoffte nur, dass das für das kleine Wesen in mir okay sei. Ich versuchte runter zu kommen. Wir entschlossen aus dem Wohnmobil raus zu gehen. Meine Beine zitterten. Mein Kopf beruhigte mich. Er erinnerte mich daran, dass dies ein gutes Zeichen sei. Wie nach dem Kaiserschnitt, da hatte mein Körper anschließend auch ununterbrochen gezittert. Tiere und somit auch Menschen zittern um das Adrenalin nach einem Schock wieder abzubauen. Mein Körper funktionierte wunderbar und half mir nun das Ganze zu verabreiten. Uns wurde gesagt man solle sich nicht in Gebäuden aufhalten und sich möglichst auf freier Fläche aufhalten. Auf dem Campingplatz hatte sich schon eine große Menschentraube gesammelt. An manchen Stellen hatten sich Risse im Boden gebildet, viele Wohnmobile verließen den Campingplatz. Es war eine sehr angespannte, angstvolle und unsichere Stimmung. Ich musste sehr dringend aufs Klo. Ich entschied mich im Wohnmobil auf Toilette zu gehen, doch just in dem Moment fing ein Nachbeben an. Irgendwann entschieden wir uns zusammen im Gebäude auf die Toilette zu gehen. Auch dort wieder ein Nachbeben. Erst dort wurde mir klar, wie gefährlich es doch in einem Raum mit losen Gegenständen sein könnte. Sämtliche Klospülungen klapperten. Ich drückte die Spülung und wollte meine Hände waschen, es tropfte jedoch nur noch ein wenig Wasser heraus. Es gab kein Wasser. Und auch keinen Strom. Mit Taschenlampe liefen wir zurück. Wir beschlossen zur Straße hochzulaufen, dort waren weitere Menschenansammlungen, die zusammen standen und miteinander redeten. Alle waren sehr freundlich und gesprächig. Es war eine nette Atmosphäre. Eine Anwohnerin sagte es sei alles okay, es würde viele Nachbeben geben und wir müssen uns keine Sorgen bezüglich eines Tsunamis machen. Wir beschlossen mit den anderen Menschen dort an der Straße zu verweilen. Ein Polizeiauto kam vorbei und fragte ob alles okay sei. Ein Bus wurde vorbeigeschickt um Menschen zum Krankenhaus zu bringen, da sich dort alle trafen. Wir stiegen nicht ein, da wir unsere Sachen nicht auf dem Campingplatz lassen wollten bzw. wir unsicher waren wie wir wieder zurück kommen sollten. So stand die Frage im Raum an der Straße zu bleiben oder zum Krankenhaus zu fahren um Informationen zu bekommen. Ich wollte in dem Moment einfach keine Entscheidungen treffen und fühlte mich wohl damit einfach nur im Moment zu sein, ruhig und gelassen zu bleiben und Kind 1 auf meinem Arm eingekuschelt zu tragen und zu schaukeln. Ein weiteres Polizeiauto kam vorbei. Der Polizist gab die Anweisung wir sollen uns alle sofort auf den Hügel begeben. Doch Tsunamigefahr! Bzw. wie sich später herausstellte die Befürchtung die Nachbeben könnten einen Tsunami auslösen. Panik. Viele Menschen die zu ihren Autos rennen. Ich bleibe mit Kind 1 an der Straße und J. holt das Wohnmobil. Wir steigen ein. Kind 1 fragt, warum die alle so rennen. Ich versuche zu erklären was hier gerade vor sich geht und wo wir jetzt mitten in der Nacht hinfahren. Ein netter Mann wartet mit seinem Auto auf uns, damit wir ihm hinterherfahren können. Wir folgen dem Auto und fahren auf einen Hügel. Den höchsten Punkt in der Stadt. Dort warten wir. Der nette Mann kommt noch einmal vorbei und drückt uns zwei Wasserflaschen in die Hand, damit wir genug Wasser für die nächsten Tage haben, sagt er. Denn es gibt kein Wasser und auch keinen Strom. Irgendwann beschließen wir uns wieder hinzulegen und versuchen zu schlafen. Wir sind alle ziemlich müde. Wir kuscheln uns diesmal alle ins untere Bett. Es ist ein wenig eng, aber wir sind alle zusammen. Kind 1 schläft schnell ein.  Hin und wieder folgt ein Nachbeben. Jedes mal wenn das Wohnmobil wieder anfängt zu wackeln sackt mein Herz erstmal in die Hose. Dann versuch ich wieder ruhig zu werden. Während einem dieser Nachbeben kommt mir der Gedanke, das diese Nachbeben doch wie Nachwehen sind. Bzw. dieses Erdbeben gut mit einer Geburt vergleichbar ist. Da kommen diese Beben (Wehen), man ist ihnen ausgeliefert und kann ihnen nicht entkommen, aber man kann steuern wie man damit umgeht. Also versuche ich durch jedes dieser Beben gelassen und ruhig hindurchzugehen und zu Vertrauen.

Vor einigen Tagen las ich ein Interview, welches mir diesen Vergleich des Erdbeben mit der Geburt wieder ins Gedächtnis rief. In einem Teil des Interviews werden Frauen mit der Erde verglichen. Das Frauen genau wie die Erde Leben hervorbringen können. Das die Erde sich immer im Wandel befindet, sei es durch die Jahreszeiten oder Zyklen (Mond), genau wie auch wir Frauen. Durch das Erdbeben hat sich der Ort Kaikoura um 70 cm angehoben. Die Nord- und Südinsel sind 2m näher zusammengerückt. Die Erde hat in dieser Nacht und in den Tagen darauf neues Land geboren und ihre Oberfläche verändert. Ich durfte also eine Erdgeburt miterleben. Und nachdem ich diese unglaublichen Kräfte am eigenen Leib gespürt habe, habe ich das Gefühl, dass mich erstmal nichts mehr aus der Bahn reißen kann. Ich bin zuversichtlich das Ich und MiMa (der kleine Bauchzwerg) unser bevorstehendes kleines Beben zusammen gut meistern werden.

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