Kommunikation, Kooperation im Alltag

Kooperation im Alltag #1: Runterfallen und Aufheben.

Hiermit möchte ich eine Artikelserie starten, in welcher es um Kooperation geht. Ich möchte euch teilhaben lassen an Situationen aus unserem Familienalltag, in welchem ich, mein großes Kind, mein Partner und bald auch das kleine Kind untereinander und miteinander kooperieren, damit wir gestärkt und mit gutem Gefühl gemeinsam aus Konfliktsituationen hervorgehen können.

Das große Kind wollte gerne Cornflakes essen. Puh. Ich war schon nicht so begeistert auf Grund des vielen Zuckers. Aber ok. Erste Kooperation meinerseits. Cornflakes in die Schüssel gefüllt. Kind isst genüsslich. Kurze Zeit später landen ein paar der Cornflakes auf dem Tisch.

Ich bitte Kind 1 sie aufzuheben. Was macht Kind 1? Es schiebt sie vom Tisch runter und die Cornflakes landen auf dem Boden. Das macht mich wütend. Ich bin sichtlich genervt und sage Kind 1, dass ich das ganz doof finde und es doch bitte die Cornflakes aufheben und in den Müll tun soll.

Kind 1 will nicht! Ich meckere rum, dass ich es doof finde, dass es Essen auf den Boden schmeißt und ich nicht verstehe warum sie das tut. Schade ums Essen (den Kommentar mit den hungerden Kindern in Afrika verkneif ich mir). Und ich hab keine Lust ihren Dreck wegzuräumen. Naja Kind 1 wird durch mein Gemeckere auf jedenfall nicht kooperativer.

Darauf folgt die „Was wäre Wenn“-Frage: Was wäre denn wenn ich die Cornflakes runtergeschmissen hätte? Ja dann würde ich sie natürlich jetzt aufheben. Aber ich hätte sie ja nie runtergeschmissen, da ich mir nicht selbst unnötige Arbeit machen wollen würde. Und ich hab keine Lust über was wäre wenn zu reden, wenn das doch gar nicht eingetreten ist. So nun nochmal die Bitte die Cornflakes aufzuheben, damit der Boden nicht dreckig ist und keiner reintritt.

Wieder keine Reaktion bzw. nur: Kind 1 möchte nicht das was ich möchte! Nun ziehe ich die Hundekarte aus dem Ärmel. Ich bitte Kind 1 die Cornflakes aufzuheben, da ich nicht möchte, dass unser Hund diese isst. Das wäre bestimmt nicht gut für ihn.

Kind 1 mag immer noch nicht. Langsam reichts mir und ich fang an den Befehlston anzuschlagen: Heb das jetzt auf! Des Weiteren werfe ich Kind 1 and den Kopf: Ich verstehe nicht wieso du sowas tust. Naja muss ich ja eigentlich auch nicht. Kind 1 versteht bestimmt auch oft nicht warum ich Dingt tue oder nicht tue.

Kind 1 wiederholt: Ich will das nicht aufheben.

Ich gehe zum Mülleimer und mache schonmal den Deckel auf. Um ihr zu zeigen: Ich helfe dir.

Sie fängt an zwei, drei Cornflakes aufzuheben und diese in den Mülleimer zu tun. Yes, sie kooperiert bzw. sie ordnet sich mir unter und tut was ich will.

Sie wendet sich den nächsten Cornflakes zu und fängt aufeinmal an sie in der ganzen Küche zu verteilen. Boah das macht mich noch wütender. Ich sage ihr wieder. Heb die Cornflakes auf und verteile sie nicht in der ganzen Küche. Sie sagt wieder: Sie will nicht. Und fängt fast an zu weinen. Ihr ganzes Wesen sträubt sich dagegen. Würde Sie mir wieder „gehorchen“, so würde sie gegen sich selbst arbeiten. Ihren Stolz und ihre Würde begraben nur um mir zu gefallen bzw. Ärger zu vermeiden.

Ich krieg langsam die Kurve und fange an zu realisieren, dass ich mich ganz schön doof verhalte und mit diesem Verhalten definitiv nicht weiterkomme. Also fange ich an sie zu spiegeln, so wie sie zuvor mein störrisches Verhalten gespiegelt hat.

Ich: Du willst die Cornflakes nicht aufheben. Du willst sie wirklich nicht aufheben!

Kind 1: Jaaaa.

Ich: Ok. Du willst sie nicht aufheben. Ich möchte nicht, dass Sie auf dem Boden liegen. Wie finden wir eine Lösung dafür?

Kind 1: Hm. Du könntest Sie aufheben.

Ich: Ja das könnte ich. Ich habe aber auch keine Lust dazu und ich habe deine Schwester im Tragetuch und mag jetzt nicht auf dem Boden rumkriechen.

Kind 1: Wir könnten Sie mit dem Staubsauger aufsaugen.

Die Aussage löst erstmal ziemlichen Widerstand in mir aus, denn ich habe keine Lust dafür EXTRA den Staubsauger rauszukramen und ihn danach wieder wegpacken zu müssen. Aber ok. Es ist eine Lösung. Sie KOOPERIERT! Und ICH tue es auch!

Ich: Ok. Dann hol mal den Staubsauger.

Kind 1 geht tatsächlich los und zieht den Staubsauger hinter sich her in die Küche. Steckt den Stecker selber in die Steckdose. Macht den Staubsauger an. Saugt alle Cornflakes auf und hat sichtlich Spaß daran! Beim Zurückbringen helfe ich ihr. Und wir gehen BEIDE mit einem guten Gefühl und einer sauberen Küche aus der Situation heraus.

 

 

2 thoughts on “Kooperation im Alltag #1: Runterfallen und Aufheben.

  1. Juchuu! Mehr davon!
    Ich finde es braucht so viel Übung und so viele Situationen, um gelebte Kooperation im Alltag zu lernen – da freue ich mich sehr, wenn du uns an euren Situationen teilhaben lässt.

    Bei uns gab es gestern auch eine Situation, die mir spontan dazu einfällt: unser Kind ist gerade 13 Monate alt und macht immer wieder irgendwelche Sachen durch, in denen sie unsere körperliche Nähe ganz dringend braucht, und dann auch ganz viel davon. Dabei muss ich immer wieder an dieses schöne Zitate denken, was mein Mann bei Twitter gelesen hat: „pick me up, this floor is lava!“ – also Stunden oder Tage, an denen die Füße bloß nicht den Boden berühren dürfen. Gestern nach dem Mittagsschlaf war das wieder so. Und dabei wollte ich doch Wäsche aufhängen und außerdem ist meine linke Schulter so verspannt, das Tragen auf Dauer wirklich schmerzhaft ist. Darum frage ich meine Tochter, ob sie auf dem Stuhl neben mir stehen könnte und zuschauen, damit ich beide Hände für die Wäsche hab. Sie wehrt sich heftig. Dann setze ich sie im Hocken auf meinem Schoß und frage sie, ob sie mir eine Wäscheklammer bringen könnte – sie lässt sich runtergleiten, geht zum Sofa und angelt mir eine Wäscheklammer von dort. Cool! Danke Lilly! Das geht noch ein paar wenige Klammern weiter so, und ich bekomme ein paar Wäschestücke auf die Leine. Als nächstes reicht sie mir Wäschestücke aus dem Korb. Danke!
    Nach der Hälfte der Wäsche ist dann aber Schluss, und sie muss wieder dringend auf meinen Arm.
    Na gut, dann mache ich den Rest später. Aber das war ein schöner Kompromiss!

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