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Geburtsbericht #1: Sarahs kleine Hausgeburt

In der Kategorie Geburtsbericht möchte ich gerne Geburten von Frauen mit euch teilen, die mich berührt haben! Die eine Facette der Geburt zeigen. Eine wunderschöne, eine kraftvolle, manchmal eine traurige Facette. Sie alle haben ihren Platz und Raum. Diesen Raum möchte ich hier geben!

Der erste Geburtsbericht, den ich nun mit euch teilen darf, ist von Sarah. Sie erzählt von ihrer kleinen Geburt (Fehlgeburt) in ihrem Zuhause nach vorherigem Kaiserschnitt. Vielen vielen Dank Sarah für deinen Text, die wunderschönen Fotos und dafür, dass ich deine/eure Geburt mit der Welt teilen darf! Dein Bericht hat mich sehr berührt und die Tränen sind geflossen! Ich wünsche dir und deiner wunderschönen Familie alles Gute!

Meine schöne Haus-/Fehlgeburt

Am 15.06.17 um 18.55 Uhr kam unser zweites Kind zu Welt – zu Hause. Es war 10 Wochen und 3 Tage alt. Bei der Geburt hat uns eine wundervolle Frau begleitet – unsere Hebamme. Dabei, ist auch unser Tochter. Sie ist 2 Jahre alt, spielt im Garten, massiert meinen Rücken, bringt uns zum lachen und will immer wieder „mal schauen“. Wir trinken, essen, lachen, weinen, freuen uns, ärgern uns, sind empört, überrascht, fühlen uns unglaublich sicher in dieser Situation und ganz nah bei uns, bei der Natur, dem Leben und dem Tod.

Eine weitere Schwangerschaft übereilte uns. Wir waren gerade umgezogen – eine neue Stadt, neue Menschen, viel zu entdecken, zu erleben. Ich weiß – das spüre ich ganz tief – dass es dieses mal anders wird.

Die Erfahrungen aus der ersten Schwangerschaft haben uns geprägt, und noch viel mehr die Erinnerungen an eine kalte, leere Geburt im Krankenhaus, wo unser Kind am Ende aus mir herausgeschnitten wurde. Das ist nun über zwei Jahre her und nun wieder so präsent. Ich weiß, dass ich arbeiten muss, an meiner Vitalität, Mentalität, am Frausein. Die Unbeschwertheit, die ich während der ersten Schwangerschaft hatte, existiert nicht mehr. Zugleich fühle ich mich stärker, sicher mit meinem Körper. Nicht mehr übervorsichtig – eher konzentriert und selbstbewusst. Ich kümmere mich umgehend um eine Hebamme. Es soll eine Frau sein, mit der ich mich wohl fühle. Verbundenheit existiert. Eine Hausgeburt ist der einzige Weg, wie mein Kind geboren werden soll – wie ich überhaupt gebären kann. Das weiß ich ganz genau. Zuhause – an meinem Ort, dem Ort meiner Familie, dem Ort an dem ich mich fallen lassen kann. Ich überlege schon wo und wie es ablaufen könnte. Was und wen ich dazu brauche …

Nach einigen Wochen Schwangerschaft bemerke ich, dass ich keine Verbindung zu unserem Kind aufbauen kann. Das konnte ich bei meiner Tochter vom ersten Moment. Ich habe gesucht, gesucht, aber es ist mir nicht gelungen. Auch, dass ich oft unachtsam war, hat mich überrascht. Dem Papa ging es ähnlich, anfängliche Vatergefühle verblassten in den Wochen immer mehr. Wir fühlten uns oft unsicher und unwohl.

Abends am 14.6. bekam ich Schmierblutungen, mir war sofort klar, dass etwas nicht stimmt. Der Anruf am nächsten Morgen bei der Hebamme, der Ultraschall im Krankenhaus und plötzlich befand ich mich mitten in einer Geburt, mit Wehen, Öl auf meinem Rücken und einer wunderschönen Stimmung. Das war sie nun – meine erste Hausgeburt. Das alles überrannte mich so sehr. Ich habe gestern unser Kind geboren. Ein kleines Stückchen, aus dem ein ganzer, vollkommener und wunderschöner Mensch hätte werden sollen. Es kam aus mir heraus. Ich habe es geboren. Aus tiefstem Herzen bin ich bei diesem Kind. Ich liebe es. Es gehört nun zu uns.

Die Gespräche, die wir während der Geburt führten, über das Leben, die Geburt meiner Tochter im Krankenhaus. Wie ich mich nun, hier zu Hause, entspannen konnte. Wie ich mit den Wehen arbeitete. Wie schön und richtig es sich angefühlt hat. Loszulassen. Es gehen zu lassen. Meinen kleinen Engel. Das Gefühl fertig zu sein, um dann festzustellen, dass noch was fehlt und es dann zu gebären. Das alles war so richtig und so wunderschön. Es hat mich nun zur Frau gemacht. Mich reifen lassen. Mir gezeigt, dass ich es kann. Gebären. Das ich intuitiv die richtigen Bewegungen mache. Mich fallen lassen kann. Danke, du kleiner Engel, dass du diese paar Wochen in mir warst. Du hast deinen Platz in unserer Familie. Du hast mich geheilt.

Da lag es nun. Hauptsächlich Gebärmutterschleimhaut. Die Stelle an der sich wohl die Fruchtblase befand … mit blossem Auge kaum erkenntlich unser Kind. Wir holten ein Glas. Kurzentschlossen zog sich unsere Tochter die OP Handschuhe an, welche die Hebamme dabei hatte. Sie nahm es und legte es ins Glas hinein. An diesem Tag ging alles so Hand in Hand – alles passierte auf eine so wunderbar natürliche Art, das hatten wir vor allem unserer Tochter zu verdanken – so zwanglos und frei. So lag es nun einige Tage im Kühlschrank und wir überlegten – was tun damit? Vergraben? Wir überlegten so lange. Hörten in uns hinein. Einen Baum drauf pflanzen? Wo und was für ein Baum? Nein. Wir wollen es behalten – also müssen wir es verbrennen. Eine feuerfeste Schale, ein paar trockene Äste, Blumen, Erinnerungen. Jeder schrieb ein paar Zeilen … Es verbrannte, wir verabschieden uns, an einem schönen Ort in der Natur – unter einer uralten Eiche. So nah wie in diesem Moment waren wir uns alle selten. Wir als Familie.

Ein so trauriges Erlebnis in unserem Leben und zugleich hat es uns gestärkt, geschult, geheilt. Eine Fehlgeburt mit heilenden Kräften – unendlich traurig, aber so wichtig für uns als Familie. Für unsere Entwicklung – für unser Leben.

-Sarah.

1 thought on “Geburtsbericht #1: Sarahs kleine Hausgeburt

  1. Liebe Sarah,

    vielen Dank für’s Teilen! Deine Geschichte ist traurig und wunderschön zugleich! Wunderbar, dass euer kleiner Engel dich und euch so reich beschenken konnte und einen Platz in eurer Familie hat, euer zweites Kind ist <3

    Alles Liebe!
    Andrea

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